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Dienstag
07.Feb 2012
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Projekt Heimat Berlin

Jugend - Projekt Heimat Berlin
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----Die Idee, ein Projekt zum Thema Heimat zu machen, hatte ich während der Arbeit mit einer Gruppe, in der die meisten Teilnehmer in Deutschland geboren waren und bei fast allen mindestens ein Elternteil nicht deutscher Herkunft war.

Alle verband auch das Scheitern in der Regelschule und der Wunsch, einen Schulabschluss extern nachzuholen. Mein Ausgangspunkt war die Zerrissenheit von jungen Menschen, die zwischen unterschiedlichen Kulturen aufwachsen: Die deutsche Gesellschaft bietet ihnen keine wirkliche Heimat und akzeptiert die kulturell anderen, eigenen oder familiären Werte oft nicht - sie fordert im Gegenteil eine Integration, deren Umfang und Preis offen ist. So wurden meine Fragen: wer bist du?; welchen Platz hast du in dieser Gesellschaft und welchen Raum gibt sie dir? zu der Frage nach Heimat.

Das Zitat von Nietzsche „Wohl dem, der eine Heimat hat“ (mit einem Fragezeichen versehen) als Thema für Essays war durchaus als Provokation gedacht: Heimat ist in kein moderner Begriff. Über Heimat zu reden birgt die Gefahr, in die Nähe von Nationalismus zu geraten.

Regina von Pock

Das Projekt entstand im Rahmen von "Arbeit und Lernen", einer Maßnahme, die die Vorbereitung auf einen Schulabschluss sowie eine ABM-Tätigkeit im Bereich EDV beinhaltete. Träger war der die Bildungsmarkt Waldenser gGmbH.

Verantwortlich für den Inhalt: Regina von Pock für die Bildungsmarkt Waldenser gGmbH
Verantwortlich für die Gestaltung: REBOOT/ Tim Faulwetter und Peter Werner www.rebootlab.com
Alle Rechte vorbehalten. Copyright bildungsmarkt waldenser gGmbH

Jugend - Projekt Heimat Berlin

Diskussion

---Was ist eigentlich Heimat? Braucht man sowas heute noch? Wo sind meine Wurzeln und welche Bedeutung haben sie?

Christian, Karin, Doron, Rado, Ismael und Viktor diskutieren über „Heimat Berlin?“.
Mit Fragen von Regina.

Christian:
Jeder hat doch seine eigene Heimat in dieser Stadt.
Karin: Meine Heimat ist dort, wo ich wohne, und da wohne ich, weil ich mich da sicher fühle, weil mir die Umgebung gefällt.
Christian: Ich bin bisher nicht so rumgekommen in der Welt, deswegen kann ich mich nicht entscheiden. Ich hatte nicht die Wahl.

Hat man die Wahl sich eine Heimat zu suchen?
Christian: Klar.
Rado: Dort wo du geboren bist, ist deine Heimat: fertig, aus.
Karin: 'N Kumpel von mir wurde im Flugzeug geboren, was soll'n der Schwachsinn?
Was könnte noch dazu gehören außer der Geburt?
Christian: Das Elternhaus?
Karin: Das Krankenhaus.
Christian: Da, wo man aufgewachsen ist. Dort wo meine Eltern sind, fühl ich mich geborgen und dort ist meine natürliche Umgebung, auch wenn es vier Wände sind. Das ist meine Heimat: im Endeffekt.
Karin: Also wenn man jetzt mit seinen Eltern zusammen z.B. in Kreuzberg wohnt und man ist es gewohnt in Kreuzberg zu wohnen und man findet es auch ganz toll: dann ist alles das Heimat, was so ist wie Kreuzberg.

Egal, wo deine Eltern herkommen?
Karin: Ja.
Rado: Die Wurzeln und die Heimat sind ja zwei verschiedene Sachen. Heimat ist das, wonach man sich sehnt, wo man immer hin will. Und wenn ich z.B. nicht soviel Bezug habe zu Jugoslawien, obwohl: ich liebe Jugoslawien, trotzdem muss ich sagen: Berlin ist meine Heimat, eigentlich. Weil ich bin ja hier geboren und hier zur Schule gegangen und sprech' die deutsche Sprache fließend. Und Sicherheit. Ich wär in Jugoslawien unsicherer. Ich bin hier sicherer.

Also Sprache gehört zu Heimat, Wurzeln...
Rado:
und Kultur...
Christian: Warum soll ich mich denn in Neustrehlitz, wo auch deutsch gesprochen wird, heimisch fühlen?

Sprache, Wurzeln, Kultur und: wo bin ich groß geworden: auf dem Land oder in der Stadt? Und in welchem Stadtteil? Wo ist Eure Heimat?
Viktor: Ohne Heimat. Ich hatte auch nie eine.
Karin: Du hast dir doch diese Postkarte mit dem Wald ausgesucht. D.h. doch, dass überall, wo viele Wälder sind, von der Landschaft her, dass er sich dort heimisch fühlen würde.
Viktor: Ja, da bin ich aufgewachsen.
Rado: Wieso bist du der Ansicht, dass du keine Heimat hast?
Viktor: Weil ich … da hatte ich ja keine Heimat, außer dem, dass ich da geboren bin und aufgewachsen bin, aber mich trotzdem gar nicht wohlgefühlt habe. Und hier bin ich hergekommen, naja, auch nichts.
Christian: Wo fühlst du dich denn gut?
Viktor: Zuhause.
Christian: Wo ist Zuhause?
Rado: Man muss ja auch sehen, dass er bestimmt auch ein hartes Leben hatte.
Viktor: Ja. Es war nicht leicht.

Hat Heimat etwas mit guten Gefühlen zu tun?
Rado: Eben nicht. Heimat ist das, wo du wirklich eigentlich geboren wurdest, groß geworden bist, isst, trinkst, schläfst. Wo deine Familie lebt, deine Sprache, die du sprichst: das ist Heimat.
Christian: Gut, aber kann man Heimat nicht ändern?
Rado: Ich denke, man kann entscheiden, nicht nur eine Heimat zu haben. Man kann auch drei, vier Heimaten haben. Interkulturell...
Christian: Sagen wir es mal so: man kann überall heimisch werden.
Rado: Heimat ist auch immer Erinnerung an etwas. Wenn man zurück denken kann und sagt: eh, hier bin ich mal die Straße lang gelaufen oder hier auf diesem Spielplatz hab' ich mal gespielt oder hier hab' ich mal 'nen Apfel geklaut...

Das heißt, du verbindest es mit Kindheit.
Alle: G
enau.
Karin: Ich denke, dass Heimat der Ort ist, wo man die wichtigen Dinge des Lebens gelernt hat wie Sprechen z.B. oder Laufen. Wo man die Kindheit verbracht hat. Und wenn man als Kind viel umgezogen ist wegen der Eltern, dann hat man entweder mehrere oder gar keine Heimat. Das muss dann aber jeder für sich selbst wissen..
Christian: ... ich weiß nicht. Vielleicht sehnt man sich ja auch nach etwas, was man vielleicht mal ganz kurze Zeit hatte. Nicht unbedingt die Heimat: sondern nach etwas. Und da fühlt man sich dann heimisch, das kann doch auch sein.

 

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Jugend - Projekt Heimat Berlin

Essays

---Wer bin ich in dieser Gesellschaft und welchen Raum gibt sie mir mit meinen Wurzeln?

TEXT R. Kostic ----Mit dem Begriff Heimat verbinde ich all das, was eine positive Auswirkung auf mich hatte. Heimat kann nur dort sein, wo man sich wohlfühlt, also ein Heim, ein Dach über dem Kopf, ein voller Magen, ein Weg, eine Straße, sogar die Erde auf der man geht.
Man verwechselt oft Heimat mit Nationalität. Natürlich verbindet man Heimat mit verschiedene Kontinenten, Staaten und Ländern. Die Heimat aber dient einem als Identität, als Schutz, als Sehnsucht. Ich bin in einem europäischen (demokratischen) Staat groß geworden, dennoch habe ich meine Wurzeln aus dem Südländischen (Kommunistischen). Das soll nicht heißen, dass meine Eltern und ich Kommunisten sind, aber der Glaube (Religion) und die Einstellung (Politik) sind auch ein besonderer Faktor. In 24 Jahren (so alt bin ich) denke ich mir schon, dass ich für Deutschland, speziell für Berlin, ein Heimatgefühl entwickelt habe. Ich wurde in Berlin geboren, bin hier zur Schule gegangen, bin mit der deutschen Sprache groß geworden, aber dennoch waren die jugoslawische Kultur und rumänische Mentalität immer präsent und prägend seit meiner Geburt, so dass ich nicht anders kann, als diese gemeinsamen Nenner als Heimat zu bezeichnen.
Die Familie ist meiner Meinung nach (wenn man keine schlechte Erfahrung gemacht hat) der wichtigste und prägendste Einfluss zum Heimatgefühl. Die Erziehung beider Elternteile, wie die Kindheit, sind für die Heimat ausschlaggebend.

Um zum Schluß zu sagen: Heimat, bei diesem ausdrucksstarken Wort, wenn es erwähnt wird, gehen einem so viele Dinge durch den Kopf. Man spricht in Bildern und drückt Gefühle mit Wörtern aus. Es ist natürlich von jedem abhängig, wie er das sieht.
Jeder hat eine eigene Auffassung, aber es werden sich immer Aussagen überschneiden, ja sogar gleich sein. Für mich ist Heimat ein Ort, ein Gegenstand, eine Umgebung der Vertrautheit, der Akzeptanz, der Gleichberechtigung ohne Vorurteile. All diese Eindrücke und Einflüsse bedeuten für mich persönlich Heimat.

 

TEXT M. A. Sadk ----Also laut Duden bedeutet Heimat: Geburtsort oder Geburtsland, demnach ist meine Heimat Deutschland bzw. Berlin. Die Heimat meiner Mutter ist auch hier in Berlin. Die Heimat meines Vaters jedoch ist in Ägypten bzw. Kairo. Inzwischen lebt er aber auch hier in Berlin. Ich bin die meiste Zeit bei meiner Mutter aufgewachsen. Leider kann ich auch kaum die Sprache meines Vaters, aber ich muss sagen, dass ich trotzdem viel Erziehung und Denken meines Vaters bekommen habe und es hat mich auf jeden Fall auch geprägt. Sogar meine Mutter sagt, dass ich sehr viel von meinem Vater habe (was sie nicht immer sehr toll findet). Ich werde auch immer unterschiedlich gesehen. Wenn ich mir einen Döner hole, reden die Leute grundsätzlich türkisch mit mir. Sogar meine Chefs hielten mich eine Zeit lang für einen Türken. Menschen, die mich das erste Mal sehen denken: Araber, Deutscher oder Türke, alles ist mal dabei. Ich finde, jeder soll für sich selbst entscheiden, was er unter dem Wort Heimat versteht. Manche Menschen verstehen darunter nur den Ort, wo sie wohnen und die nähere Umgebung. Andere wieder bringen mehrere Länder damit in Verbindung. Heimat ist etwas, wo man sich wohl fühlen soll (was nicht immer geht), und wo man seine Familie in der Nähe hat. Heimat sollte auch etwas sein, wo man sich vorstellen kann, dort eventuell für den Rest seines Lebens zu wohnen/leben.

Heimat hat auch etwas mit Zuhause zu tun. Wenn ich um mich herum meine Familie bzw. die Menschen, die ich liebe, fühle ich mich heimisch. Der Großteil meiner Familie mütterlicherseits lebt in Berlin, aber fast alle meiner Familie väterlicherseits leben in Ägypten. Meine Heimat ist schon irgendwie hier in Deutschland/Berlin, aber wenn ich bei meiner Familie in Ägypten bin, fühle ich mich auch wie Zuhause. Direkt in Kairo könnte ich mir nicht vorstellen zu wohnen, aber ein nettes Haus mit Pool am Strand - warum nicht!? Im Zentrum der Großstadt ist es mir zu heiß. Dadurch, dass ich hier in Berlin lebe, wurde ich zu sehr verwöhnt; die Verhältnisse dort in Ägypten wären mir zu arm/dreckig. Urlaub, Familie besuchen, schön und gut, aber eine längere Zeit dort zu leben, ist mit Sicherheit gewöhnungsbedürftig. Momentan ist meine Heimat hier in Berlin, aber wer weiß, wo ich eines Tages letztendlich landen werde?

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