Zu dem Bericht der Bundesbeauftragten erklärt Berlins Integrationsbeauftragter Günter Piening:
Im heute vorgestellten Integrationsbericht weist die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Maria Böhmer, zu Recht auf die nach wie vor zu geringe Bildungsbeteiligung von Kindern aus Einwanderfamilien hin. Die bundesweiten Statistiken, die dem Bericht zugrunde liegen, überdecken aber, dass in den Bundesländern die Entwicklungen sehr unterschiedlich verlaufen. Der Bericht wertet die Länderdaten zwar nicht aus, die Berliner Statistiken geben jedoch überwiegend ein anderes Signal. So verzeichnet Berlin in vielen Bereichen einen deutlich besseren Bildungstrend als der Bundesdurchschnitt:
- Bundesweit haben nur 8,9 % der 15-19-jährigen Migranten/innen die Fachhochschulreife oder das Abitur. In Berlin lag der Anteil der Abiturienten/innen unter den Schulabgängern/innen nicht-deutscher Herkunftssprache 2008 bei 21,8% (2006: 17,9%).
-Betrachtet man den höchst erreichten beruflichen Abschluss bei Menschen mit Migrationshintergrund zwischen 18 und 25 Jahren, so liegt Berlin auch deutlich an der Spitze: Über 40 % von ihnen verfügten in 2008 über eine Hochschulreife, das ist fast doppelt soviel wie im bundesdeutschen Durchschnitt (24,2 %). Und mehr als doppelt so viel wie in Bayern (19,5%).
-Während sich im Bundesdurchschnitt 43% der ausländischen Schüler mit einem Hauptschulabschluss zufrieden geben mussten, waren dieses in Berlin nur 34%.
-Nach wie vor alarmierend sind die Zahlen bei den Schulabbrecherquoten unter Migranten. Sie lagen 2008 in Berlin mit 16,5 % immer noch über dem Bundesdurchschnitt von 13,3%. Erfreulich ist aber, dass es in Berlin gelungen ist, den Anteil der Abbrecher zu senken (von 24% im Jahr 2003 auf 18,7% im Jahr 2006 und 16,5 % im Jahr 2008), während er in anderen Bundesländern in den letzten Jahren offenbar angestiegen ist.
Der Vergleich Berlins mit den im Bericht der Bundesbeauftragten dargestellten Entwicklungen bestätigt damit auch das Ergebnis der im Juni vorgelegten Ländervergleichsstudie, die Berlin ein sehr durchlässiges Bildungssystem bescheinigt: Während im Bundesdurchschnitt ein Akademikerkind bei gleicher Leistung fünfmal so große Chancen hat, das Abitur zu machen als ein Arbeiterkind, ist dieser „Ungleichheitsfaktor“ in Berlin „nur“ zweimal so hoch. Diese relative Aufstiegsoffenheit im Berliner Bildungssystem kommt vor allem Kindern aus Einwandererfamilien zugute. Denn bei vielen handelt es sich um Kinder aus Arbeiter- und Arbeitslosenfamilien.
Auch wenn die Richtung in den relevanten integrationspolitischen Indikatoren entgegen dem Bundestrend in Berlin nach oben zeigt, ist dies kein Anlass, sich zurückzulehnen. Schulen sind in ihrem gesellschafts- und integrationspolitischen Auftrag durch die Strukturreformen der vergangenen Jahre gestärkt worden. Jetzt gilt es, die Aufmerksamkeit auf die nach wie vor bestehenden Schwachstellen zu richten. Dies sind vor allem zwei Bereiche, in denen Berlin hinter dem Bundestrend zurückbleibt: Die nach wie vor zu hohen Schulabbrecherzahlen und eine stärkere Beteiligung der Jugendlichen mit Migrationshintergrund an der dualen Ausbildung.
Pressemitteilung vom 07.07.2010 aus "Der Newsletter des Integrationsbeauftragten" 9/10 Nr. 72






